Zweckverband für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung Eberswalde
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Wasser auf der Rundreise

»Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es, und wieder nieder zur Erde muss es, ewig wechselnd.«
aus: »Gesang der Geister über den Wassern« (Johann Wolfgang von Goethe)

Wasser ist ein unruhiges Element: Es prasselt als Regenguss oder Hagel zu Boden, taumelt als Schneeflocke durch die Luft, stürzt als reißender Bergbach zu Tal, türmt sich zu haushohen Wellen und wogt als Ebbe und Flut um die Kontinente. In den Baumriesen der Wälder Nordamerikas steigt Wasser durch feinste Röhren mit Hilfe der Kapillarkräfte über hundert Meter empor. Und von jeder noch so stillen Pfütze steigen unaufhörlich Wassermoleküle in die Atmosphäre auf.

Im globalen Wasserkreislauf hängen alle Erscheinungsformen des Wassers miteinander zusammen.

Jedes Schulkind hört wohl von der Rundreise eines Regentropfens, der in einen See fällt, durch Bäche und Flüsse zum Meer reist, um dann in der Sonnenwärme zu verdampfen und als Wolke an den Ausgangpunkt zurückzukehren. Damit wissen Schüler heute mehr, als noch Leonardo da Vinci (1452-1519). Er erfasste zwar, dass das Wasser der Erde sich in einem ewigen Kreislauf befindet, und erkannte die Sonne als treibende Kraft der Verdunstung und damit auch von Wolkenbildung und Regen. Doch vermutete er, dass die Berge durch unterirdische Adern Wasser aus den Ozeanen saugten und so die Quellen der Flüsse speisten. Erst der französische Amateurgeologe Pierre Perrault wies 1674 nach, dass Regen und Schnee genug Wasser für die Flüsse liefern.

Um die Reiselust der Tröpfchen aber ist es unterschiedlich bestellt. Eher auf einen Kurztrip geht der Regentropfen, der aus den Wolken direkt in einen Fluss fällt und sofort wieder die Rückreise zum Meer antritt. Diese Tour dauert in einem großen Strom, von der Quelle aus gerechnet, etwa zwei Wochen. Doch auch ausgedehnte Zwischenstopps sind möglich, ehe die Rundreise von vorn beginnen kann.
Sinkt unser Tropfen zum Grund eines Sees, verlängert sich sein Aufenthalt um einige Jahre.
Sickert er gar ins Grundwasser, kann er dort einige tausend Jahre verweilen. Zieht ihn eine Meeresströmung in die Tiefen des Ozeans hinab, bedeutet das eine Rast von durchschnittlich dreitausend Jahren.
Am meisten Geduld aber braucht der Reisende, wenn er als Schneeflocke über den polaren Eisgebieten niedergeht. Das Wasser am Grund der Eismassen sitzt dort seit hunderttausenden von Jahren fest.

Regentropfen
Regenreservoir in der Natur

Eine Abkürzung nimmt dagegen der Regentropfen, der nach einem Schauer den Durst von Blumen und Bäumen stillt: Das von der Vegetation aufgenommene Nass verdunstet schon nach etwa fünf Tagen wieder.
Ob nach einem kurzen oder langen Landaufenthalt – in der Atmosphäre gelangt das Wasser in einen hektischen Verschiebebahnhof. Die Verweildauer dort beträgt kaum zehn Tage. Denn nur ein kleiner Teil allen Wassers schwebt jeweils als Dampf in der Atmosphäre – knapp 0,01 Promille oder 13.000 Kubikkilometer. Damit daraus jährlich etwa 500.000 Kubikkilometer Niederschläge fallen können, muss das atmosphärische Wasser fast 40 Runden im Riesenrad zwischen Himmel und Erde drehen.

Zahlen zum Wasser